Woher stammt der Begriff „Altweibersommer“?
Altweibersommer im Frühherbst: Hat die Bezeichnung wirklich etwas mit älteren Damen zu tun? Die überraschende Antwort und was meteorologisch dahintersteckt.
WETTERWISSEN
Marcel Helget
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Silberne Spinnweben im Frühherbst. Quelle: BUND-Kreisgruppe Wesel
Wenn im September oder Oktober der Spätsommer noch einmal zu Höchstformen aufläuft, sprechen wir vom Altweibersommer. Strahlend blauer Himmel, milde Temperaturen am Tag und kühle Nächte prägen diese Phase. Doch wie kam diese Wetterperiode zu ihrem ungewöhnlichen Namen?
1. Der Sprachursprung: Das althochdeutsche „weiben“
Die sprachliche Wurzel reicht weit zurück: Im Althochdeutschen bedeutete das Verb „weiben“ so viel wie weben, knüpfen oder sich hin und her bewegen.
Im Frühherbst lassen kleine Baldachinspinnen ihre feinen Fäden in den Wind hängen, um sich per Ballooning (Segeln am Seidenfaden) zu neuen Lebensräumen tragen zu lassen.
Diese silbrigen Fäden verfangen sich in Sträuchern, Gras und Bäumen. Im Morgentau glänzen sie wie langes, graues oder weißes Haar.
Der Volksmund verknüpfte daher das Wort „weiben“ (Weben der Spinnfäden) mit dem Aussehen von greisem Haar. So entstand im 18. Jahrhundert die Bezeichnung Altweibersommer.
2. Der mythologische Hintergrund: Die Schicksalsweberinnen
Neben der Sprachpraxis gibt es auch mythologische Erklärungsansätze:
Mythen & Sagen: In der germanischen Mythologie gab es Schicksalsgöttinnen (die Nornen) und Weibergestalten, die Lebensfäden woben. Nach der Erntezeit schrieb man das feine Gespinst in den Feldern diesen Wesen zu.
Der Faden der Maria: Im Volksglauben nannte man die Fäden im Spätsommer manchmal auch „Marienseide“ oder „Mariengarn“, zugeschrieben der Jungfrau Maria, die ihren Schleier oder Spinnfaden auf die Erde Webte.
3. Was passiert meteorologisch beim Altweibersommer?
Aus wetterkundlicher Sicht handelt es sich um eine singuläre Wetterlage (Witterungsregelfall).
Ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa sorgt für stabile Verhältnisse.
Die Festlandsluft kühlt nachts stark ab (Nebelbildung), erwärmt sich durch die noch intensiv scheinende Sonne tagsüber aber rasch wieder.
Die relative Luftfeuchtigkeit ist morgens hoch. Ideal, damit die Spinnennetze durch Wassertropfen sichtbar werden.
Schon gewusst? Juristisch abgesegnet!
Im Jahr 1989 klagte eine ältere Dame in Deutschland gegen die Verwendung des Begriffs in Wettervorhersagen, da sie sich persönlich beleidigt fühlte. Das Landgericht Darmstadt wies die Klage jedoch ab (Az. 14 O 332/89): Der Begriff sei historisch gewachsen, beziehe sich auf das Weben der Spinnen und stelle keine Diskriminierung dar..
Verfasser: Marcel Helget
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