Schnee & Regen, Wenn Temperaturen täuschen
Warum schneit es, obwohl die Temperaturen im Plusbereich liegen? Und genauso: Warum fällt bei Temperaturen unter null Grad Regen? Hier gibt es die Erklärung.
WETTERWISSEN
Marcel Helget
2 min read


Schnee bei Plusgraden – wie ist das möglich?
Man schaut aufs Thermometer: +4 °C – und dann aus dem Fenster: Es schneit.
Wie kann das sein? Wasser gefriert doch erst bei 0 °C. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Schnee entsteht in der Höhe
Schnee bildet sich in Wolken in großer Höhe, wo die Temperaturen oft unter dem Gefrierpunkt liegen.
Die Schneeflocken fallen anschließend durch wärmere Luftschichten Richtung Boden. Dabei fehlt ihnen häufig die Zeit und Energie, um vollständig zu schmelzen.
Schneeflocken benötigen nämlich eine gewisse Zeit, um sich in Regentropfen umzuwandeln. Besonders bei leichten Plusgraden erreichen sie den Boden oft noch als Schnee.
Luftfeuchtigkeit spielt eine große Rolle
Auch die Luftfeuchtigkeit beeinflusst, wie schnell Schneeflocken schmelzen.
In trockener Luft kann Schnee nicht einfach schmelzen, sondern sublimiert (er geht direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über). Dieser Prozess entzieht der Umgebung Energie und kühlt die Flocke zusätzlich ab.
Dadurch kann Schnee selbst bei Temperaturen von +8 °C noch den Boden erreichen.
Bei hoher Luftfeuchtigkeit hingegen schmilzt Schnee deutlich schneller.
Isothermie
Eine Isothermie entsteht, wenn es aus einer Wolke kräftig schneit und dabei kaum Wind herrscht.
Der fallende Schnee kühlt die umgebende Luft ab, wodurch die Schneefallgrenze immer weiter absinkt.
Schneefallgrenze und Nullgradgrenze – wo liegt der Unterschied?
• Nullgradgrenze: Höhe, in der die Lufttemperatur genau 0 °C beträgt
• Schneefallgrenze: Höhe, bis zu der Schnee den Boden erreicht
Die Schneefallgrenze liegt meist unterhalb der Nullgradgrenze, oft bis zu 300 Meter tiefer.
Wie groß dieser Unterschied ist, hängt von mehreren Faktoren ab, z. B. Wind, Luftfeuchtigkeit und Niederschlagsintensität.
Bei Windstille und starkem Niederschlag kann die Schneefallgrenze sogar noch deutlich tiefer liegen.
Warum regnet es bei Minusgraden?
Dass es bei Temperaturen unter 0 °C regnet, kommt häufiger vor und hängt meist mit einer Inversion zusammen.
Beispiel:
Seit einer Woche liegt ein Hochdruckgebiet ohne Wind über der Region – idealerweise sogar mit Schneedecke.
In 1500 m Höhe liegen die Temperaturen bei etwa +5 °C. Im Frühling wären das problemlos +15 °C, doch im Winter ist die Situation anders.
Die Nächte sind lang und die bodennahe Luft kann stark auskühlen – über Schnee besonders intensiv.
Tagsüber bleibt diese kalte Luft wie ein Teppich im Flachland liegen. Die tief stehende Wintersonne hat kaum Kraft, die Luft zu erwärmen.
Kalte Luft ist schwer. Ohne Wind (also ohne Durchmischung) kühlt sich die Luft Tag für Tag weiter ab.
Die warme, leichtere Luft in 1500 m Höhe bleibt darüber „liegen“ und kann sich nicht durchsetzen.


Glatteisregen (Blitzeis)
Nähert sich nun ein Tiefdruckgebiet mit einer Warmfront, strömt milde und feuchte Luft über die kalte Luftschicht am Boden.
In den Wolken fällt der Niederschlag zunächst als Schnee, da es in großer Höhe sehr kalt ist.
Beim Absinken durch die wärmere Luft schmelzen die Flocken zu Regen.
Diese Regentropfen fallen anschließend in die kalte Luftschicht nahe dem Boden, ohne sofort zu gefrieren, da sie keine Kristallisationskeime (z. B. Staubpartikel) finden.
Die Tropfen sind unterkühlt – also flüssig trotz Temperaturen unter 0 °C.
Erst beim Aufprall auf den Boden gefrieren sie schlagartig. Das nennt man Glatteisregen oder Blitzeis.
Text: Marcel Helget
Bilder: KI-Generiert
Kontakt
Fragen oder Anregungen? Schreib mir gern!
Telefon
Amperwetter@gmx.de
Auf Anfrage
© 2025. All rights reserved.
